London Dry, Old Tom und der Wilde Westen – die verschiedenen Gin Kategorie

Welcher Gin soll´s denn sein? Kennt ihr diese Frage? Die Frage stellt sich doch immer wieder. Spätestens dann, wenn man in einer gut sortierten Bar sitzt und die Qual der Wahl hat. Schick sehen die meisten Flaschen ja aus, aber schmeckt der Inhalt? Wahrscheinlich tut er das auch. Aber der pure Name des Gins hilft da auch nicht immer weiter, sondern die kleinen, aber feinen zusätzlichen Hinweise die sich auf den Flaschen und den Lables befinden können weitere Hilfestellungen bei der Auswahl geben. Gin kann man nämlich in verschiedene Kategorien einteilen.

Quelle: https://www.livingwalls-cologne.de/0093-fototapete-flaschen-regale-bildtapete

Beim Versuch diese zu erschließen, lässt sich eine recht unterschiedliche Anzahl an Arten und Sorten finden. Von vier bis zwölf unterschiedlichen Kategorien ist oft die Rede, wobei 3-4 verschiedene Gin-Typen als Hauptkategorien gesehen werden und auch am ehesten in Bars anzutreffen sind. Diesen will ich mich heute einmal versuchen zu nähern. Eine Kategorie, die des Plymouth Gin lasse ich bewusst weg, da ich diesem einen eigenen Artikel widmen will.

Grundsätzlich gibt es für die Gin-Herstellung seit 2008 eine GIN EU Verordnung, in der die Grundlagen für das Brennen und auch für die Namensgebung von Gin gesetzlich geregelt wurden. Es wird dabei auch zwischen zwei Hauptarten unterschieden in denen es jeweils weitere Unterkategorien gibt: Destiller Gin und Compound Gin. Wobei der Destiller Gin der ist, in der sich die meisten Gin Arten und auch die ganzen Premium Gin Sorten tummeln. Daher schauen wir uns diese dann auch folgend näher an.

London Gin und London Dry Gin

Die Dry Gins bieten einen ganzen Fächer verschiedener Gin Typen und Gin Varianten. Sie gehören, wenn wir sie kategorisieren wollen, zur Hauptkategorie der Destiller Gin und sind somit aus dem hochwertigen Lager der Gin Herstellung. Die aromatische Grundnote dieser Gin Arten liegt hier vor allem auf der starken Betonung des Wachholders. Doch es gibt Unterschiede, die aus geschichtlichen, rechtlichen Aspekten und der Brennkunst zusammenwachsen, sodass die unterschiedliche Namensgebung der einzelnen Gins nicht in Gänze der Willkür der einzelnen Brennmeister oder De­s­til­le­rien ausgesetzt ist.

Ein Versuch London Gin abzugrenzen wird schon recht speziell und detailliert. So darf der London Gin zum Beispiel ausschließlich aus Ethylalkohol, der aus landwirtschaftlichem Ursprung kommt gewonnen werden und durch die zweite, folgende Destillation muss das Destillat einen Mindestalkoholgehalt von 70Vol.-% haben. Also ein ganz schönes Brett. Und, was ich spannend finde, er darf keine anderen Zutaten außer Wasser enthalten. Dazu kommen noch eine ganze Reihe anderer Vorgaben, die den London Gin charakterisieren und klar abgrenzten. Der Name „London“ ist dabei nicht geschützt und darf mit anderen Namen ausgetauscht oder weggelassen werden. Der Zusatz „dry“ ist hier erlaubt. Wenn aber ein Gin als „dry“ ausgewiesen wird, so darf er maximal 0,1 g Zucker je Liter enthalten. Enthält er mehr, so ist es kein Dry Gin.

Der London Dry Gin hingehen ist eine eindeutig zugeschriebene und auch feststehende Namensgebung, die für eine bestimmte Art zu brennen steht. Dabei muss der London Dry Gin nicht unbedingt aus London kommen. Beim Brennen des London Dry Gin werden alle Zutaten in einem Brennvorgang destilliert und es darf nach Abschluss des Brennens nur noch Wasser hinzugefügt werden. Also alles in einem Rutsch. Dagegen können bei den anderen Brennverfahren der Destiller Gins während des Brennvorgangs oder mittels eines weiteren Brenndurchgangs die Zutaten immer beigefügt werden. Ein paar Klassiker unter den Dry Gins sind zum Beispiel: Beefeater Gin, Sipsmith Gin oder auch London No.3. Generell werden diese Gin Arten mit eher neutralen Tonic Water gemischt.

Old Tom, Bathtub und Sloe Gin

Mit diesen drei Kategorien sind wir schon wieder mitten in der teilweise sagenumwobenen Geschichte des Gin. Alle drei sind in verschiedenen Epochen und den dort vorherrschenden Umständen entstanden und haben, bis auf den Bathtub Gin bis heute überlebt. Sie genießen zwar eher ein Leben am Rande der Barschränke, sollen aber heute nicht unerwähnt bleiben.

Der Old Tom Gin war nicht nur ein Gin, der in einer sehr geheimen Umwelt getrunken wurde, sondern er war auch mit ausschlaggebend für einen der ersten Getränkeautomaten mit dem Alkohol ausgeschenkt wurde. Man geht davon aus, dass der Name „Old Tom“ aus dem 18. Jahrhundert stammt. Dort wurde diese Art des Gins mit Zucker angereichert, so dass ein sehr süßer Gin entstand. Auch heute wird der Old Tom Gin noch gesüßt. Die überlieferten Erzählungen aus dem 18. Jahrhundert berichten, dass die Schankstuben zu dieser Zeit einen schwarzen Kater aus Holz an ihre Fassade montiert hatten. Kam nun ein durstiger Passant vorbei konnte er einen Penny in das Maul des Katers werfen und der Wirt goss daraufhin durch ein kleines Rohr Gin in das mitgebrachte Trinkgefäß des Durstigen – Gin to go:-). Obwohl Old Tom Gin nicht zu den gängigsten Gin Arten gehört, gibt es einige Sorten Both´s Old Tom Gin oder auch Haymans´s Old Tom Gin.

Der Bathtub Gin stammt aus der Zeit der Gin Craze, also aus der Zeit in der England im Gin wortwörtlich ersoff. Durch verschiedenste Gesetze und Steuererhöhungen versuchte das Könighaus die Sauferei in den Griff zu bekommen und zwang somit den Gin Konsum und auch die Gin Herstellung in den Untergrund. Und dort wurde dann Gin in Badewannen hergestellt. Dies in so einem Umfang, dass dieser doch sehr schlecht schmeckende und deshalb auch sehr gesüßte Gin einen eigenen Namen bekam und sich seitdem auch in Erinnerung hielt. Heutzutage wird Gin nicht mehr in Badewannen produziert, es gibt aber noch Gin Sorten bzw. Brennereien die sich diesen Namen bedienen: Bathtub Gin.

Sloe Gin ist im Grunde eigentlich gar kein Gin, sondern ein Likör genauer gesagt ein Schlehen-Likör, der auf Dry Gin Art hergestellt wird. Diese Art des Gins bzw. die Art der Produktion hat sich mittlerweile aber fest in der Gin Welt etabliert so dass sie eine feste Größe geworden ist. Viele namhafte Gin-Brennereien stellen Sloe Gin daher mittlerweile als weitere Variante zu ihren Haupt-Gin Arten her. Sloe Gin ist ein recht variantenreiches Getränk und soll besonders an kalten Winterabenden pur schmecken. Wobei ich doch auch lieber ein neutrales Tonic dazu nehmen würde;) Einige ausgewählte Sloe Gins sind: Monkey 47 Schwarzwald Sloe Gin , Gordons Sloe Gin  oder Filliers 28 Sloe Gin .

New Western Styler

Die New Western Dry Gin haben eigentlich erst Anfang des 21. Jahrhunderts so richtig Fahrt aufgenommen. Für diese Kategorie gibt es eigentlich keine richtige Definition, die wie beim London Dry Gin oder den anderen Kategorien anwendbar ist. Grundlegend halten diese Gins die Vorgaben der Brennverordnung ein, lösen sich aber von dem dominierenden Aroma der Wachholderbeeren. Bei den New Western Gin ist Wacholder zwar nach wie vor einer der wichtigen Bestandteile. Es werden aber anderen Aromen, beispielweise ein Zitrusaroma dem Wachholder gleichgestellt oder der Wacholder tritt sogar völlig in den Hintergrund. Somit geht es hierbei schon um eine kleine Evolution oder für Traditionalisten sogar um eine Revolution. Mache sprechen auch von einer neuen Art der Interpretation des Gin. Ryan Magarian, Mitproduzent des Aviation Gins beschreibt für die Erkennung eines New Western Gin eine kleine Grundregel: Wenn der erste Geschmack des Gins nicht Wacholder ist, ist es ein New Western. Man denke beispielsweise an Hendricks Gin. Hier denkt man sofort an Gurken und evtl. noch an Rosen.

Einteilungen und Definitionen sind immer schwer, vor allem wenn es sich ums eigene Geschmacksempfinden handelt. Genau um dieses soll es dann aber auch in den nächsten Artikeln gehen. Wer diese nicht verpassen möchte, der kann gerne zugumzug auf Facebook  oder auch auf Twitter liken oder folgen.

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